Hertha BSC ist plötzlich ein Vorbild. Der Fußballklub, der in diesem Sommer aus finanzieller Not seine besten Spieler verkaufen musste, hat mit einem historischen Saisonstart für Aufsehen gesorgt und wird nun als Blaupause für die Berliner Politik diskutiert.

Die alte Dame gewann die ersten sechs Spiele der Saison, ein Novum in der Vereinsgeschichte. Dieser Erfolg basiert auf einem radikalen Umbruch: Nach dem Verkauf von Leistungsträgern wie Fabian Reese, Tjark Ernst und Kennet Eichhorn setzt der Klub konsequent auf Talente aus der eigenen Akademie und erfahrene Spieler, die anderswo keine Perspektive mehr sahen. Es ist eine Philosophie der Bescheidenheit und des Kollektivs, in der kein Einzelgänger oder Lautsprecher Platz hat. Vor der Saison war der Abstiegskampf prophezeit worden, jetzt führt Hertha die Tabelle an.

Die neue Realität

Die finanzielle Zwangslage zwang den Verein, Kasse vor Klasse zu stellen. Selbst die Ausgaben für Softdrinks für die Mitarbeiter wurden gekürzt. Doch aus der Not wurde eine Tugend. Der Fokus liegt nun auf dem Wesentlichen und der gemeinsamen Anstrengung. Diese Haltung steht im Kontrast zu den immer noch prekären Finanzen der Stadt Berlin, deren ehemaliger Bürgermeister Klaus Wowereit einst sagte: „Berlin ist arm, aber sexy.“ Über zwei Jahrzehnte später trifft diese Aussage weiterhin zu.

Aufschwung auf dem Platz

Die sportliche Bestätigung folgt Woche für Woche. Zuletzt sicherte sich Hertha am 19. September mit einem 2:1 bei Dynamo Dresden den dritten Dreier in Folge. Jón Dagur Þórsteinsson erzielte dabei beide Treffer. Davor gab es einen 3:1-Erfolg in Osnabrück und ein 2:1 gegen Magdeburg. Die aktuelle Form mit drei Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage aus den letzten fünf Partien unterstreicht die Konsolidierung. Topscorer der Mannschaft ist bislang Josip Brekalo mit vier Toren. Den kompletten Spielplan finden Sie auf unserer fixtures Seite.

Ein Symbol der Hoffnung

In einer Stadt, die von ständigem Wandel geprägt ist, hat sich auch Hertha BSC gewandelt. Vom Objekt des Spotts ist der Klub zu einem Symbol der Hoffnung geworden, und das über den Sport hinaus. Während der Stadtrivale 1. FC Union mit seiner einstigen Erfolgsformel aus Zusammenhalt und kollektivem Willen derzeit um einen passenden Trainer ringt, zeigt Hertha einen möglichen Weg auf. Die neue Berliner Landesregierung, die am vergangenen Sonntag gewählt wurde, könnte hier eine Lektion in Bescheidenheit und Teamgeist lernen.

Nächste Aufgabe für die aufstrebende Mannschaft ist das Auswärtsspiel bei Hertha Zehlendorf am 29. September. Die aktuelle squad-Liste zeigt, wer für diese Aufgabe zur Verfügung steht.

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